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Ohne Bildung kein Entrinnen aus der Armut

Kardinal Désiré Tsarahazana sorgte in Kronach für afrikanische Athmosphäre und Spiritualität.
Kardinal aus Madagaskar kam zum Monat der Weltmission in die Erzdiözese Bamberg
Datum:
Veröffentlicht: 21.10.26
Von:
Michael Kleiner

Weltkirche sein heißt Neues erleben, heißt eintauchen in andere Kulturen. Weltkirche sein, bedeutet aber auch gemeinsam den Glauben zu bezeugen und solidarisch zu handeln. Das wurde deutlich beim Besuch des madagassischen Kardinals Desiré Tsarahazana im Erzbistum Bamberg. Anlässlich des Monats der Weltmission war er zusammen mit dem Präsidenten des Katholischen Hilfswerkes missio München, Monsignore Wolfgang Huber, nach Franken gekommen. In Bamberg, Höchstadt/Aisch, Kronach und Nürnberg machte Tsarahazana auf die prekäre Situation der Menschen in seinem Heimatland aufmerksam und stellte Initiativen seiner Kirche vor. Sein Fazit: „Nur mit Bildung gibt es einen Weg aus der Armut“.

Madagaskar gehört statistisch gesehen zu den fünf ärmsten Ländern der Welt. Etwa 20 Millionen Menschen, das sind rund 75 Prozent der Gesamtbevölkerung, leben unter der Armutsgrenze. Und dass, obwohl der Inselstaat östlich des afrikanischen Kontinents klimatisch begünstigt ist und reich an Bodenschätzen wie Nickel und Seltene Erden. Aber:  die Bevölkerung profitiert zu wenig vom Potential des Landes. Schuld daran, so Tsarahazana, sind vor allem die korrupten Eliten in Politik und Wirtschaft: „Der Egoismus macht uns arm“.

Korrupte Eliten

Der 71-Jährige wird in seiner Heimat und auch im Ausland nicht müde auf die Ungerechtigkeiten hinzuweisen: „Wir brauchen wieder mehr Besinnung zum Glauben und Fokussierung auf die Würde des Einzelnen“, sagte Tsarahazana beim „Madagaskar-Tag“ in Kronach. Auf die Herrschenden setzt der Kardinal wenig Hoffnung. Deswegen ist es für ihn wichtig, dass die Menschen selbst ihr Schicksal in die Hand nehmen. In seiner Heimatdiözese Taomasina fördert er deswegen vor allem Bildungsprogramme, etwa Ausbildungsangebote für Jugendliche und Schulbauten in entlegenen Landpfarreien.

Für ehrgeizige Maßnahmen wie diese braucht die Kirche Madagaskars Unterstützung. Missio München ist Partner bei Projekten, die in Madagaskar Bildung, Kommunikation, Menschenrechte und ländliche Entwicklung fördern. „Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen uns weltweit auf den Weg zu machen und uns gegenseitig zu stärken“, warb missio-Präsident Wolfgang Huber in seiner gottesdienstlichen Ansprache in Kronach für ein solidarisches Handeln (nicht nur) im Monat der Weltmission.

Tanzender Kardinal

Solidarität ist keine Einbahnstraße. Auch wir können profitieren von den Kirchen Afrikas. Das zeigte sich auch in Kronach. Kardinal Tsarahazana zog die Anwesenden als ebenso sympathischer wie bescheidener Botschafter der Kirche Madagaskars in seinen Bann. Und wie lebendig ein Gottesdienst sein kann, das zeigte sich am Ende der Messfeier als der Kardinal beim Auszug zu den Klängen des Sängers und Gitarristen Mamina einfühlsam das Tanzen anfing.

Fast schon ausgelassen wurde die Stimmung bei der anschließenden Begegnung im Pfarrsaal. Mamina begeisterte mit fröhlichen Rhythmen und Mitmachliedern aus seiner Heimat. Dabei wurde er tatkräftig unterstützt von einigen jungen Madagassinnen, die als Pflegkräfte oder Au-Pair-Kräfte in Bamberg, Erlangen und Nürnberg leben und nach Kronach gekommen waren.

Frohsinn und Lachen hilft den Menschen in Madagaskar, Armut und Unbillen von Mensch und Natur zu verkraften. Neben den hausgemachten Problemen durch die kriminelle Oberschicht verschlechtern vor allem die Folgen des Klimawandels die Lebensbedingungen vieler Menschen. Wirbelstürme tragen dazu bei, dass immer weniger Menschen von der Landwirtschaft leben können. „Ich habe noch nie so einen Sturm erlebt“, sagt Tsarahazana über den Zyklon „Gezani", der im Januar dieses Jahres die 400 000-Einwohner-Stadt Taomasina zu 75 Prozent zerstört hat. Über 100 Kirchen in der Diözese wurden vom Sturm niedergerissen. Für den Wiederaufbau war und ist die Hilfe von missio sehr wichtig. „Dafür sind wir sehr dankbar“, betonte Kardinal Tsarahazana.

KAB und Madagaskar

Partnerschaft mit und Unterstützung für Madagaskar kommt auch aus der Erzdiözese Bamberg. Der Diözesanverband der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) unterstützt seit 40 Jahren Fivoy, eine madagassische Selbsthilfeorganisation. Diese hat sich zum Ziel gesetzt, die Lebensbedingungen von Frauen und ihren Familien zu verbessern. In Kronach berichtete Carola Hornung vom Madagaskar-Team der KAB von den vielfältigen Aktivitäten: So kooperieren KAB und Fivoy etwa bei Herstellung und Verkauf von Flechtarbeiten, bei Schulspeisungen, bei Beratung von schwangeren und stillenden Frauen sowie bei Angeboten zu Berufsorientierung für Jugendliche.   

Mehrfach warb Kardinal Tsarahazana dafür, ihn in seiner Heimat zu besuchen und Land und Leute kennenzulernen. 8.700 Kilometer Luftlinie und 15 Stunden Flug trennen Deutschland und Madagaskar. Das ist alles andere als unmöglich. Doch es gibt auch eine andere Möglichkeit seine Solidarität zu zeigen: durch Spenden zum Monat der Weltmission und für die Madagaskar-Initiative der KAB.

Michael Kleiner

 

Spendenkonten:

KAB-Diözesanverband Bamberg
Liga-Bank Bamberg
IBAN: DE46 7509 0300 0209 0496 22
Verwendungszweck: Fivoy oder Schulspeisung

missio München
IBAN: DE96 7509 0300 0800 0800 04
Verwendungszweck: Sonntag der Weltmission