Erfolgreich trotz aller Schwierigkeiten

Haiti ist ein Land, das das Musterbeispiel eines gescheiterten Staates ist. Allein in den letzten drei Jahren wurden rund 12.000 Menschen ermordet und etwa 600.000 im Land vertrieben. Die Hauptstadt Port-au-Prince ist nach offiziellen Schätzung zu 85% unter Kontrolle der Banden. Umso erstaunlicher ist es, dass das Priesterseminar sein akademisches Jahr 2024 mit 137 Seminaristen ohne planmäßig durchführen konnte. Unterstützt wird das Seminar auch aus der Erzdiözese Bamberg – vor allem durch Patinnen und Paten für die Priesterausbildung.
Überlebenspastoral
„Es gibt kein normales Leben mehr im Land“, stellen die haitianischen Bischöfe in einem Brief vom Jahresende 2024 fest. Die Hauptstadt Port-au-Prince sei für Hilf-lieferungen weitgehend abgeschnitten, Schulen geschlossen, das öffentliche und wirtschaftliche Leben lahmgelegt. „ Es gibt keinen sicheren Ort mehr“, erklärte Erzbischof Max Leroy Mésidor, Vorsitzender der haitianischen Bischofskonferenz: „Bereits seit zwei Jahren paktizieren wir eine ‚Überlebenspastoral‘.“
Was das für das Priesterseminar bedeutet, erläutert Regens Père Robert Michel in seinem Jahresbericht: Die Wiedereröffnung sei „zu einem Akt von besonderem Mut und Überzeugung geworden.“ Dozenten vom Land konnten aus Sicherheitsgründen nicht ins Seminar kommen und gaben Onlinekurse von zuhause. Dozenten aus der Hauptstadt folgten ihrem Beispiel. Sie hatten Gewalt durch bewaffnete Banden erlebt und sind noch traumatisiert.
Patronenhülsen im Seminar
Auch bei den Seminaristen war nach den Worten des Regens viel „Zögern“ und „Angst“ zu spüren: „Einige wollten sogar nach Hause gehen, weil die Drohungen und die Gewalt der Gangs so stark und unerträglich“ geworden waren. „Es gab Tage“, so Michel weiter, „an denen wir geglaubt hatten, dass wir überrannt werden würden.“ So fielen von den Schießereien in der Umgebung viele Patronenhülsen auf die Dächer und in die Gärten des Priesterseminars, „aber der Herr hat uns nie verlassen.“
Und so gelang es in einer Kombination aus Präsenz- und Onlineunterricht Unterricht und Prüfungen (fast) wie geplant durchzuführen. Am Ende des Jahres sei allen das Lächeln ins Gesicht geschrieben gewesen. Denn trotz aller Widrigkeiten konnten die Hauptziele erreicht werden: ein erfolgreiches akademisches Jahr für die Seminaristen und das Bakkalaureat für die 46 Kandidaten, die demnächst in das Pastoraljahr geschickt werden.