Corona im Senegal

Seit 500 Tagen gibt das senegalesische Gesundheitsministerium jeden Tag eine Presseerklärung mit den neuesten Statistiken zur Covid-19-Lage im Senegal heraus. Den Zahlen nach steht der Senegal am Beginn einer gewaltigen dritten Welle. Durchschnittlich 10 % - 20 % aller derzeit täglich durchgeführten Tests sind positiv mit steigender Tendenz. Am 14.07.2021 war ein trauriger neuer Rekord auszumachen: von 2.854 durchgeführten Tests am Vortag waren insgesamt 733 positiv und davon wiederum 483 Fälle ohne nachvollziehbare Infektionsketten.
Jedoch ist der überwiegenden Mehrheit der Senegalesinnen und Senegalesen Corona egal. Sie leben mittlerweile wieder ihr Leben so unbeschwert wie es vor der Pandemie möglich war: Abstände, Masken und sonstige Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen haben keine Bedeutung mehr. Feste wie Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen werden gefeiert wie sie fallen, mit allem, was dazu gehört. Und das sowohl bei Katholiken als auch bei Muslimen. Präsident Macky Sall hat seit Anfang Juni auch eine wirtschaftliche Tournee durch das ganze Land begonnen. Dabei besucht er alle Landesteile, schaut sich Projekte an und lässt sich bei jedem Besuch von seinen Anhängern feiern, die ihn, gesäumt an den Straßen auf seinen Routen leiten. Coronakonforme Abstände – Fehlanzeige! Auch Sportstätten haben ihren Betrieb wieder aufgenommen: Fußballspiele und das traditionelle senegalesische Ringen finden wieder in gefüllten Stadien statt.
Im Alltag, auf den Straßen und Märkten werden Masken zunehmend rarer. Obzwar es heißt, dass Masken im öffentlichen Bereich, besonders im ÖPNV, in Geschäften und in Verwaltungsgebäuden Pflicht sind, trägt sie kaum noch jemand. Falls doch, dann heißt es häufig: „Das sind die Katholiken, die auf dem Weg zur Heiligen Messe sind“. Bei katholischen Gottesdiensten gilt nämlich noch die Maskenpflicht und das Abstandsgebot ist einzuhalten. Ganz akribisch wird dies aber nicht überall eingehalten.
Nichtsdestotrotz sind sich die Mediziner im Senegal des Ernstes der Lage bewusst. Am 10. Juli hat die autonome ärztliche Gewerkschaft einen Appell an die Regierung gerichtet, sämtliche religiöse, kulturelle und politische Versammlungen zu verbieten. Ebenso hat sie die religiösen Führer sowie die politischen und zivilgesellschaftlichen Verantwortlichen dazu aufgerufen ihre Anhänger zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen zu motivieren und sich impfen zu lassen.
Am 23. Februar startete die Impfkampagne gegen COVID-19 im Senegal. Derzeit werden in allen Regionen Impfungen durchgeführt, die Impfgeschwindigkeit ist aber, verglichen mit Deutschland, sehr langsam, außerdem gibt es sehr viele Impfverweigerer. Verimpft werden das chinesische Vakzin von Sinopharm und der Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers AstraZeneca. Bis zum 13.07.2021 haben 590.969 Personen mindestens eine Impfung erhalten, etwa 1/3 davon ist schon vollständig geimpft.
Coronabedingt ist der Senegal aktuell als RKI-Risikogebiet eingestuft. Von nicht notwendigen, touristischen Reisen nach Senegal wird derzeit von deutscher Seite her abgeraten. Ebenso gelten auf senegalesischer Seite Einreisebeschränkungen, die die Einreise zu Tourismuszwecken momentan nicht gestatten. Geschäftsreisen mit entsprechenden Sondergenehmigungen sind möglich.
Corona-Statistik (Stand: 14.07.2021):
47.596 Coronafälle
42.685 Genesene
1.203 Todesfälle
1 evakuierte Person nach Frankreich, dort verstorben
1.934 Coronafälle in Thiès

