„Alle sollen spüren, dass sie geliebt werden“

Couragiert, mitfühlend, lebensfroh. Diesen Eindruck vermittelte der diesjährige missio-Gast Sr. Modesther Karuri bei ihren Besuchen und Begegnungen im Erzbistum Bamberg. Ob in Wickendorf im Frankenwald, in der Großstadt Nürnberg oder an der Mittelschule in Burgebrach. Ihre positive Ausstrahlung ist keine Selbstverständlichkeit. Denn die 56-jähre Ordensfrau kümmert sich als stellvertretende Leiterin der Caritas Nairobi (Kenia) vor allem um arbeitslose Jugendliche und Flüchtlinge. Ihr Credo: „Alle sollen spüren, dass sie geliebt werden.“
„Tickende Zeitbombe“
Mit rund 3,5 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner in der Stadt und etwa 7,5 Millionen im Großraum steht die ostafrikanische Metropole Nairobi an der Schwelle zur Megacity. 60 Prozent der Menschen leben in mehreren großen Slums wie Kibera oder Mathare auf nur sechs Prozent der Stadtfläche. Gleichzeitig strömen viele Flüchtlinge aus den benachbarten Krisenländern wie Äthiopien oder Somalia in die Stadt. „Eine tickende Zeitbombe“, wie Sr. Modesther betont.
Die unerschrockene Dominikanerin versucht zunächst einen menschlichen Kontakt aufzubauen. Viele Flüchtlinge sind traumatisiert, nicht wenige Frauen alleine mit Kindern. Denn die Männer sind im Krieg gefallen. „Sie alle kommen zu uns und tragen eine schwere Last mit sich“, so Sr. Modesther. Schnell geht es auch um praktische Hilfe. Verpflegung, Kleidung und manchmal auch Prothesen. Am Ende versucht sie aber „dauerhafte Fähigkeiten“ und Perspektiven für den Lebensunterhalt zu vermitteln. Das kann ein beweglicher Verkaufsladen oder eine Nähmaschine sein.
Flüchtlingsarbeit im Vergleich
Lässt sich die Flüchtlingsarbeit der Caritas in Kenia mit der Erzdiözese Bamberg vergleichen? Bei der Einführungsveranstaltung zum Monat der Weltmission in Bamberg, St. Josef, wurde diese Frage offen thematisiert. Peter Ehmann, Geschäftsführender Vorstand der Caritas Bamberg-Forchheim, stellte das Engagement der Caritas in der Region vor. Er hat jährlich etwa 350.000 € für die Flüchtlingsarbeit zur Verfügung. Davon stammen etwa 170.000 € aus staatlichen Zuschüssen und 130.000 € aus kirchlichen Mitteln. In Kenia verfügt Sr. Modesther über keinen festen Etat. Kirchensteuer gibt es nicht, die Erzdiözese Nairobi ist arm. Was bleibt ist die Unterstützung aus dem Ausland, zum Beispiel von missio München. Am 23. Oktober ist Sonntag der Weltmission. Da ist die Möglichkeit die Arbeit des päpstlichen Hilfswerkes mit der Kollekte direkt zu unterstützen. Und damit auch das unermüdliche Engagement der Ordensfrau aus Kenia.
Michael Kleiner